Herr Gläser, wie würden Sie Ihre künstlerische Philosophie beschreiben?
Was mich beschäftigt, bearbeite ich. Da diese Themen meist zu persönlich sind und dadurch nicht direkt für die Öffentlichkeit bestimmt, schaffe ich Symboliken und Codes. Dabei ist es mein Anspruch, durch die Abstraktion meiner eigenen Gefühlswelt allgemeingültige und zugängliche Darstellungen für die menschliche Existenz in all ihren Facetten zu finden.
Nehmen Sie uns mit auf Ihren Schaffensweg. Wie entstehen Ihre Werke?
Zunächst überlege ich mir ein Thema, das ich darstellen möchte. Danach mache ich Skizzen, bis ich eine geeignete Form gefunden habe. Nach der Reinzeichnung und der finalen Überarbeitung übertrage ich das Motiv auf eine Linoleumplatte und schneide es. Damit habe ich fast das gesamte Jahr 2023 verbracht. Da die fertigen Arbeiten der Ausstellung aus mehreren Teil-Motiven bestehen und ich bei der Farbwahl nicht experimentieren konnte, habe ich vor dem Drucken mit der Kniehebelpresse Farbkonzepte für jedes Motiv erstellt und diese, bis auf wenige Änderungen, genauso umgesetzt.
AY-V2: Wofür steht der Titel Ihrer Ausstellung? Was erwartet den Zuschauer?
2013 hatte ich meine letzte Einzelausstellung. In den elf Jahren dazwischen ist natürlich einiges in meinem Leben passiert, und das thematisiere ich in dieser Serie. Titel wie "Neugier", "Hedonismus" und "Furcht" geben einen halb offenen, halb chiffrierten Einblick in mein persönliches Erleben, sie lassen sich aber auch leicht auf das der Betrachtenden übertragen. Der Ausstellungstitel "AY-V2" und die Perspektive der Motive sind an den ausgestellten Druck von damals angelehnt – ein Ei in Zentralperspektive. Er kann aber auch als englisch "Ich, Version 2" gelesen werden und rückt damit den persönlichen Aspekt in den Vordergrund. Damit ist die aktuelle Ausstellung als Fortsetzung der letzten zu verstehen, mit direktem Bezug auf meine persönliche Biografie.
Aus welchen Materialien machen Sie Ihre Kunst?
Ich arbeite auf Papier, auf Menschenhaut, mit Pixeln und Vektoren und nun wieder mit Linoleum.
Wer sind Ihre künstlerischen Vorbilder?
Die Linolschnitte von Jens Schubert bewundere ich sehr. Sie sind in ihrer Disziplin das Maß aller Dinge für mich. Ganz grundsätzlich sind meine Arbeiten durch modernes Grafikdesign, aber auch die Art Déco und den Bauhaus-Stil beeinflusst.
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